70.000 junge Aale kommen per Lastwagen

Am Mittwochabend ist in Ettenheim der Lastzug aus Bremen angekommen. Die Ladung: 70.000 junge Aale. Sie sollen für Leben in baden-württembergischen Gewässern sorgen.

In den Becken der Fischzucht Riegger in Ettenheim haben sich die Tiere über Nacht erholen können. am Donnerstagmorgen ist die Reise weitergegangen an die Bestimmungsorte, den Bodensee, den Rhein und die Gewässer der Angelvereine in Südbaden. In zwölf bis 15 Jahren sollen ihre Nachkommen aus den Laichgewässern in der Sargassosee zurückkehren und dazu beitragen, dass sich der Aalbestand in den hiesigen auf Dauer stabilisiert.

"Die Aalbestände sind massiv zurückgegangen. Das Glasaalaufkommen in den zurückliegenden 20 Jahren um 80 Prozent." Georg Riegger
"Die Wanderfische sind unsere Sorgenkinder", erzählt Georg Riegger. Lachs und Aal also. "Die Aalbestände sind massiv zurückgegangen. Das Glasaalaufkommen in den zurückliegenden 20 Jahren um 80 Prozent", sagt der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Baden und berichtet von den Wanderungen der Aale. Die ausgewachsenen wandern 6000 Kilometer zu ihren Laichplätzen in die Sargassosee, östlich von Florida und südlich der Bermudas gelegen und so groß wie Mitteleuropa. Dort laichen sie ab und sterben dann. Die Nachkommen machen sich mit dem Golfstrom auf und brauchen für ihre Wanderung nach Europa drei bis vier Jahre. Etwa acht Zentimeter lang sind sie, wenn sie ankommen, und durchsichtig. Daher der Name Glasaal.

Wenn sie dann vor den Mündungen der großen Flüsse angekommen sind, haben sich große Probleme gehabt, die Flüsse hinaufzuwandern, dorthin wo ihre Eltern gelebt haben. Ein ganzes Bündel Ursachen nennt Riegger: Sperrwerke, Turbinen, ein wohl aus Asien eingeschleppter Parasit. Und schließlich Asiaten, für die Glasaale ein Potenzmittel war. Sie haben für Tiere, die vor den großen Flussmündungen abgefischt worden sind, weil sie die Flüsse nicht hinaufkommen, horrende Preise bezahlt. Die Fischereiverbände, die die Glasaale ebenfalls aufkauften, um sie in die Flüsse einzusetzen, konnten da nicht mithalten.

Dreijähriges Fangverbot für Aale

Der Rückgang war so groß, dass die Aale auf die Rote Liste des Washingtoner Artenschutzabkommens gesetzt, in Europa ein dreijähriges Fangverbot für Aale erlassen worden ist. "Die Fischereiverbände haben schon seit langem junge Aale eingesetzt, um den Bestand wieder aufzupäppeln", erzählt Riegger. Während des wollen sie ihre Bemühungen noch intensivieren und jedes Jahr für 50 000 Euro Aale einsetzen. Keine Glasaale mehr. Die werden in einer Fischzucht bei Bremen großgezogen.

Die 700 Kilogramm oder 70 000 junge Aale die nun am Mittwochabend in Ettenheim angekommen sind, sind fünf Jahre alt. 250 Kilogramm sind am frühen Donnerstagmorgen Richtung Bodensee transportiert worden. "Die schwimmen jetzt bereits im See", sagte Riegger gestern um die Mittagszeit. Etwa die Hälfte der 70 000 Fische ist gestern in Gewässer in der Region eingesetzt worden. Der Großteil im Rhein. Bei Wittenweier, bei Ichenheim und bei Honau sind sie gestern Vormittag ist Wasser eingesetzt worden.

Den ganzen Tag über kamen Mitglieder von Angelvereinen nach Ettenheim, um junge Aale zu holen, die dann in die Vereinsgewässer eingesetzt werden. "Um die 17 000 organisierte Angler gibt es im Landesfischereiverband, und die wollen wir einbinden", erzählt Riegger.

Aus den Laichgebieten nach 15 Jahren wieder zurück

Sechs bis acht Jahre werden die Aale nun in den Flüssen bleiben. Dann machen sie sich auf den Weg ihre Laichgebiete im Südatlantik. "Im September und bei Neumond", erzählt Riegger und fordert damit den Widerspruch seiner Frau Kirsten heraus: "Esoterisches Geschwätz". Jedenfalls haben die Tiere nun noch ein Gefahrenquelle zu überwinden. "Sie schwimmen dort, wo das meiste Wasser fließt, und das ist in Richtung Turbinen. Der Weg flussabwärts ist der schwierigere." Sein Wunsch ist, dass möglichst viele die Laichplätze erreichen und die jungen zurückfinden, damit die dann um die 15 Jahre später den Weg in den Südatlantik antreten können. Und natürlich dass die Fischer in einigen Jahren auch wieder Aale aus den heimischen Flüssen angeln können.

Quelle: Badische Zeitung